Samstag, 12. August 2017

Steinmeier: Arafat ein Kranz, der Jude kann wegtreten...

von Thomas Heck...

Bundespräsident Steinmeier der Freund der Palästinenser, legte bei Yassir Arafats Grab einen Kranz nieder und erwies ihm dadurch Respekt. Dem ehemaligen jüdischen Besitzer der Dienst-Residenz in Berlin-Dahlem Hugo Heymann verweigert das Bundespräsidialamt bis heute den Stolperstein, mit dem an die Vertreibung der Juden von ihrem Besitz erinnert wird. Der Jude kann wegtreten. Er stört.



Die heutige Dienst-Residenz gehörte bis zur Machtergreifung der Nazis einem jüdischen Kaufmann. Nichts erinnert daran, kein Stolperstein, keine Gedenktafel. 


Wenn ein deutscher Bundespräsident den Dienst antritt, reist er in der Regel nach Jerusalem und besucht die Holocaust-Gedenkstätte „Yad Vashem“. Es ist ein Zeichen dafür, dass er sich mit der dunklen deutschen Geschichte auseinandergesetzt hat. Noch lieber legt er allerdings einen Kranz zum Gedenken an den Terroristen und Judenmörder Arafat nieder.

Die Geschichte Hugo Heymanns, von den Nazis zu Tode gequält, passt da nicht ins Bild. Schließlich war der jüdische Kunstperlenfabrikant Besitzer der schönen Villa in Dahlem, die heute Dienstvilla des Bundespräsidenten ist. Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck wohnten an der Pücklerstraße 14. Gerade wird die Villa renoviert. Im Laufe des Jahres soll dann Frank-Walter Steinmeier (61, SPD) einziehen.


Heymann verkaufte diese Villa kurz nach der Machtergreifung Hitlers im Frühjahr 1933, nachdem er vom damaligen SPD-Reichsinnenminister Friedrich Wilhelm Sollmann gewarnt wurde, dass „schreckliche Zeiten“ bevorstehen würden.

Trotzdem heißt es beim Bundespräsidialamt, der Verkauf sei „freiwillig“ geschehen. Deshalb wolle man bisher keinen Stolperstein für Hugo Heymann vor der Villa in den Boden setzen lassen.

Heymanns Witwe Maria versuchte 1951, die Villa wiederzubekommen. Obwohl ihre Haushälterin und Sollmann in ihrem Sinne aussagten, lehnte das Berliner Landgericht ihre Klage ab. Ein Notar, der wie viele Nazis nach 1945 in Argentinien lebte, sagte aus, der Verkauf sei normal vonstattengegangen. Dieser Auffassung hatte sich der Historiker Michael Wildt  (63) in Gutachten für das Bundespräsidialamt angeschlossen.

Der forensische Historiker Julien Reitzenstein  (43), der den Fall durch Archivrecherchen und Publikationen schon 2014 aufdeckte, nennt das damalige Urteil „zynisch“. Und: „Unabhängig von der rechtlichen Komponente gibt es die moralische Komponente. Für mich ist gerade das Staatsoberhaupt eine moralische Instanz.“

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Feist (52, CDU) fragte im Juni 2017 in einem Brief an den Bundespräsidenten Steinmeier, weshalb es bis heute keinen Stolperstein oder Gedenktafel an der Dienstvilla gebe, die an die Geschichte Hugo Heymanns erinnere.Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird im Laufe des Jahres hier einziehen.



Verkauf war nicht freiwillig

Erst nachdem B.Z. beim Bundespräsidialamt nachfragte, bekam er eine Antwort mit dem Gutachten des Historikers Wildt. Der schenkte den Aussagen des nach Argentinien ausgewanderten NS-Notars offenbar mehr Glauben als denen der Witwe Heymanns, des Hausmädchens und des ehemaligen SPD-Reichsinnenministers.

Am Ende seines Gutachtens schreibt Wildt, man könne womöglich aus „pädagogischen“ Gründen doch einen Stolperstein vor der Pücklerstraße verlegen. Freiwillig sei der Verkauf der Villa aber in jedem Fall gewesen.

Josef Schuster (63), Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, würde eine Gedenktafel begrüßen, die daran erinnert, dass das Haus einmal einem jüdischen Geschäftsmann gehörte, der von den Nazis verfolgt und umgebracht wurde.

„Ich sehe keinen Grund, die Geschichte des Hauses zu verschweigen. Die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten begann damit, Juden systematisch ihre Lebensgrundlage zu entziehen. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten“, so Schuster. Da kann der Bundespräsident noch so oft Yad Vashem besuchen, wie er mag. Sein gestörtes Verhältnis zu Juden wird nicht erst seit der Kranzniederlegung am Grabe Arafats mehr als deutlich.

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